Kann ich meinem Hund helfen, wenn er blind wird?

Wenn der Hund blind wird – wie kann man ihm helfen?

Dadurch, dass immer mehr Rassen erhebliche Gesundheitsprobleme durch die immerwährende Überzüchtung ihrer Gattung erleiden, sind auch immer mehr Kurzschnäuzer gefährdet, blind zu werden. Aber auch abseits der Zucht kann es aufgrund von hohem Alter oder einer massiven Bindehautentzündung, die zu spät erkannt wird, zur Blindheit kommen.

Mit anderen Worten: Es gibt so einige Gründe, die zum Sehverlust des Tieres führen können.

Dabei stellt sich nicht nur für den betroffenen Hund, sondern auch für dessen Besitzer so einiges im Alltag um. Fortan muss sich der Kaltschnauzer stärker auf sein Gehör und den Geruchssinn verlassen. Dass er die ersten Tage selbst nicht versteht, was mit ihm passiert und er in Panik verfällt, sollte dabei ohne Zweifel verständlich sein. Wie aber kann man ihm helfen?

1. Die Anfangspanik verstehen lernen

Die anfängliche Panik wird verständlich, betrachtet man die Sachlage einmal aus der Warte des blinden Tieres. Nach jedem unglücklichen Schritt stößt man gegen Wand oder Möbelstücke, der Gleichgewichtssinn muss sich erst neu justieren und außer dem Tastsinn und den Umgebungsgeräuschen gibt es keine weiteren Anhaltspunkte nicht mehr. Dass man sich daher langsamer bewegt und zunächst geschaut werden muss, in welche Richtung es denn überhaupt geht, ist daher völlig verständlich.

2. Dem Hund Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen

Zu Beginn der Blindheit muss der Hund erst seinen Lebensraum und damit die Wohnung seines Besitzers auf eine Art und Weise neu kennenlernen, die er bis zu diesem Zeitpunkt nur unbewusst genutzt hat. Anstatt sich an visuellen Reizen zu orientieren, muss er nun abzuschätzen lernen, wie viel Entfernung zum nächsten Stuhl besteht und wo genau die Wände verlaufen. Daher darf es nicht weiter verwundern, dass er anfangs etwas mehr auf trab ist und in der Wohnung umherirrt. Das ist keineswegs ein Zeichen dafür, dass er raus muss, um sein Geschäft zu verrichten.

3. Geduld ist nun das Wichtigste

Das Tempo wird gemächlicher, das Gassigehen ist nun längst nicht mehr so spannend. Es kommt zwar ganz auf die Persönlichkeit des Tieres an, inwieweit er fremde Gegenden dann noch auskundschaften möchte, aber oft möchten sie dann nur mehr raus, um sich zu entleeren und üben den Bewegungsdrang dann im Inneren des Zuhauses aus, da ihnen dies schließlich auch vertraut ist. Besonders hilfreich ist es für das Tier dann, wenn man ihm alle Zeit gibt, die es braucht.
Anstatt also hektisch gegen eine Wand oder den eigenen Schenkel zu klopfen und am Ende noch mehr zu hetzen, als man ursprünglich wollte, reicht ein leises Tapsen, damit er die Richtung kennt. Zurechtfinden wird sich der Hund in jedem Fall. Lässt man ihm dabei sein Tempo, läuft er dann am Ende eben auch nicht mit Anlauf gegen eine Wand.
Denn es gilt zu bedenken: Der Sehverlust verändert den Gleichgewichtssinn. Eine gerade Linie zu laufen wird damit fast unmöglich. Nicht selten zeigt sich dann ein starker Rechts- oder Linksdrall, ohne dass dieser überhaupt beabsichtigt war.

4. Die Umgebung von Verletzungsmöglichkeiten befreien

Hat sich der Kaltschnauzer erst einmal daran gewöhnt, worauf es in der Wohnung aufzupassen gilt und in welcher Richtung etwa Tisch, Stühle und dergleichen liegen, so sollte sein Besitzer mit neuen Hindernissen besonders vorsichtig sein. Was nicht auf dem Boden stehen muss, sollte nicht dorthin, spitze Gegenstände sollten ohnehin aus der Körperhöhe des Hundes entfernt werden.
Auch auf seine Spielzeuge sollten nun verzichtet werden, wenn er sie nicht mehr aktiv nutzt. Futter- und Wassernäpfe wird der Hund gelegentlich anrempeln. Hier sollte also auf jeden Fall damit gerechnet werden, dass immer mal wieder ein Lappen zum Aufwischen gebraucht wird.

5. Kompromisse müssen nun eingegangen werden

War zu jener Zeit, in der das Augenlicht des Hundes noch voll intakt war, ein Verbot aufrecht, die Küche zu betreten, so sollte nun ein Kompromiss geschlossen werden. Man darf nicht vergessen, dass das Tier nur noch geringfügig erahnen kann, wo er sich gerade befindet. Wird in diesem Moment nicht gekocht, so weiß er nicht, dass das eigentlich eine Verbotszone ist, in der er nun steht. Aber auch dann, wenn sich sein Meister in dem Bereich der Wohnräume befindet, wird er ihm nun dorthin folgen. Durch eine solche Ausnahmesituation wird das Rudeltier oft noch anhänglicher und fühlt sich damit besonders unwohl, sobald es alleine ist. Hört der Hund seinen Menschen, folgt er ihm also auch – und damit sogar in die Küche. Da er es nicht wirklich verstehen würde, wenn man nun groß mit ihm schimpft, sollte besser ein Auge zugedrückt werden. Er tut es schließlich nicht im bösen Willen.

6. Den Hund nicht lange alleine lassen

Selbstverständlich, ein Hundebesitzer hat ein geregeltes Berufsleben. Dennoch braucht es eine gewisse Umstellungszeit, bis sich das tierische Familienmitglied daran gewöhnt hat. Gibt es Kinder im Haus, die noch schulpflichtig sind, so haben sie oft die Möglichkeit, früher zu Hause zu sein, als die arbeitenden Eltern. Diese Chance sollte genutzt werden, um dem Hund zu signalisieren, dass er keinesfalls im Stich gelassen wird.

7. Ein Glöckchen warnt den Hund vor Bewegung

Tierärzte empfehlen ganz gerne, dass sich der Hundebesitzer fortan ein Glöckchen an das Bein oder die Pantoffeln befestigt, damit der Hund merkt, wenn er sich bewegt und er entweder auf ihn zukommt, oder er von ihm weggeht. So wird eine unerwünschte Kollision vermieden, wenn sich beide gerade in der Wohnung bewegen.

8. Offene Kommunikation mit anderen Hundebesitzern und Passanten

Kommen andere Hunde auf das Tier zu, so kommt es darauf an, ob sie sich schon kennen, oder das nun völlig fremde Artgenossen sind. Auf jeden Fall ist es besser, den anderen Hundehalter darauf hinzuweisen, dass der eigene Kaltschnauzer erblindet ist. Nicht selten zeigen sich die Tiere dadurch aggressiver, weil sie nur mehr sehr einseitig dazu in der Lage sind, das Verhalten des anderen richtig zu interpretieren. Immerhin können sie die Körpersprache nicht mehr visuell aufnehmen. Dasselbe gilt aber auch für Kinder, die das Tier gerne streicheln möchten. Der Hund erschreckt sich womöglich und seine Reaktion ist unberechenbar.

So kommuniziert man am besten nach außen, dass der Hund blind ist

Nur, wer das Verhalten des Tieres sehr genau beobachtet, merkt direkt, dass er erblindet ist. Auch geben die Augen erst dann durch einen gräulich-bläulichen Schimmer Aufschluss darüber, wenn man sie von Nahem sehen kann. Und selbst dann steht man dem Hund schon direkt gegenüber, ehe es bemerkt wird.

Ein Hinweis kann immer direkt verbal erfolgen, wenn sich jemand ungewollt dem Tier nähert. Aber auch eine Halsschlaufe mit dem Hinweis darauf hilft Außenstehenden schon weiter. Die typische gelbe Schlaufe mit den drei schwarzen Punkten gibt es nämlich auch für Hunde. Alternativ ist eine solche auch schnell selbst genäht.